Die Philosophie der Diagnostischen Übungen . 1    zurück zu 1:     Seite 2 :
Warum Diagnostische Übungen ? Ist diese Methodik nicht reichlich übertrieben?
Hat sie einen therapierelevanten Nutzeffekt? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir zunächst das Wesen der Methode kennenlernen.
Mit gewissen Unterschieden wird generell in der Literatur die Gesichtsmuskulatur unseres Arbeitsbereiches in die 14 Muskelpaare eingeteilt, die auf der Abbildung eingezeichnet sind. Hier nicht erfaßt sind die Muskeln um das Ohr, um die Augenhöhle und die Kaumuskeln, so wie die Hals- und Nackenmuskulatur. Wir konzentrieren uns hier also auf die eigentlichen Orofazialmuskeln, nehmen jedoch die interne und externe Zungenmuskulatur im Detail, so wie die Rachenmuskulatur in den zwei Funktionen des Abschlusses zur Nasenhöhle, respektive zur Mundhöhle hinzu. Aus den in der MFT bekannten und von mir in einem Katalog zusammengefaßt beschriebenen myofunktionellen Übungen habe ich für die Muskeltests diejenigen herausgesucht, bei denen gezielt jeweils ein bestimmter, einzelner Muskelzug besonders aktiviert wird. Lassen wir im Test die Übung ausführen und beobachten die Art der Muskelreaktion, so könne wir Schritt für Schritt, Test für Test und Muskelzug für Muskelzug die gesamte Muskulatur unseres Arbeitsgebietes in ihrer Funktion bewerten. Aus der Entwicklungsgeschichte und embryonal besteht im Orofazialbereich ein einziger großflächiger Hautmuskel. Dieser differenziert sich dann später zu den erwähnten Muskelzügen. Für uns wichtig zu wissen ist hierbei, daß diese Differenzierung bei jedem Individuum im Detail unterschiedlich verläuft, sowohl, was die Ausprägung der Muskelzüge betrifft, als auch, was ihre Innervation angeht. Wir können und dürfen also gar nicht erwarten, daß jeder Proband jeden Muskelzug auf eine bestimmte Art einzeln bewegen kann. Es bleibt dann unserem Urteilsvermögen überlassen, was wir als normal, zuviel oder zuwenig einschätzen.